Das Leben mit unveränderbaren Tatsachen

photo-1449182325215-d517de72c42dIm letzten Eintrag habe ich ja schon über die Veränderungen in meinem Leben geschrieben. Heute will ich davon erzählen, was sich seit dem so getan hat. Die gute Nachricht zuerst, die Nüchternheit ist immer noch Teil meines Lebens. Seit nun über 50 Tagen habe ich keinerlei Drogen konsumiert (es sei denn man zählt Zucker und Koffein dazu) und dass verrückte ist, dass es mir immer noch leicht fällt.

Der Weg der Abstinenz

Schon im letzten Eintrag, als ich noch relativ am Anfang der selbst auferlegten Abstinenz war, habe ich beschrieben, dass der Verzicht auf Drogen an sich kein Problem ist. Die anfängliche neue Energie war zum Ende des Monats jedoch

nicht mehr so stark. Die Gedanken daran mich wieder zu betäuben kamen wieder hoch, doch ich habe das ganze unter Kontrolle. Es fühlt sich nicht wie eine unabwendbare Energie an, ein starker Strom dem ich mich nicht entziehen kann. Die Gedanken tauchen auf, werden wahrgenommen und sind dann auch schon wieder weg.

Dennoch wurde der Kreative Schub, den ich anfangs erlebte, mit der Zeit wieder schwächer. Die neue Alltagsroutine wurde langsam wieder umgekehrt und ich war gefühlt wieder an dem Punkt, an dem ich vor dem Monat war, nur dass ich keine Drogen zur Betäubung brauchte. Doch auch die gefühlte Abwesenheit einer Veränderung ist ein Trugschluss. Noch vor ein paar Wochen konnte ich mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, komplett ohne Drogen zu leben (ich werde zu einem späteren Moment darauf  noch einmal genauer eingehen).

Die ersten Partys waren jetzt vorbei, auf denen ich komplett nüchtern war. Ich hab einfach Mate getrunken und nach dem zweiten auch gemerkt, dass mir zuviel Koffein nicht gut tut, doch war ich trotzdem in einem selbstbewussten und in mir gefestigten Zustand. Überall um mich herum wurde die verschiedensten Dinge konsumiert und wieder viel es mir leicht, bei mir zu bleiben. Auch Silvester werde ich so verbringen und damit nüchtern ins neue Jahr starten, ein Jahr das enorm viele Veränderung bereit hält.

Zuviel auf einmal

Diese Nüchternheit ist für mich das Fundament auf dem sich ganz viele Dinge verändern. Mit diesem neugewonnen Vertrauen in meine innere Stärke und Disziplin habe ich mir für den Dezember auch gleich wieder neue Vorhaben „auferlegt“. Ich habe mich mit den Bereichen in meinem Leben auseinander gesetzt, in denen ich ein Ungleichgewicht wahrnehme.  Ich habe mich gefragt

Was würde ich machen und wie würde ich handeln, wenn ich diese Dinge einfach umsetzten könnte.

Sozusagen wie ich mein wahres Selbst in diesen Situationen erleben würde. Ich habe mehrere Seiten über die verschiedenen Themen im Automatischen Schreiben (werde ich noch ein Video zu machen) verfasst und daraus die Änderung herausgezogen, die mir am wichtigsten erschienen. Ein großer Teil war, auch wieder die Videos zu machen, was ich ja bisher erfolgreich umgesetzt habe. Andere Punkte die meine Lebensführung angehen konnten in nicht in dem Ausmaß umgesetzen, wie ich es mir aufgelegt habe.

Ich wollte halt zu schnell, zu viel auf einmal. Das kennt bestimmt jeder, der sich eine Änderung vornimmt, doch schon bald wieder in alte Muster zurückfällt. Das hat anfangs meinen Optimismus auch ein wenig getrübt. Ich fühlte mich wieder zu schwach, unfähig gegen diese unbewussten Strömungen in meinem Inneren anzukommen und mit Bewusstsein dagegen zu treten.

Der Kampf des Egos mit Inneren Anteilen

Den genau hier liegt auch immer noch ein wichtiger Punkt begraben. Das schon im letzten Artikel erwähnte Trio

Perfektionismus – Rebell – Innerem Kritiker

ist ein Geflecht aus inneren Anteilen, gegen die ich scheinbar machtlos bin. Ich bin generell ein ziemlicher Kopfmensch und versuche analytisch an dieses „Problem“ heranzugehen.

Durch diese „Ego-gesteuerte“ Wahrnehmung und herangehensweise werden diese Anteile als die Feinde angesehen, die Wächter vor den Himmelspforten. Sie sind Schuld daran, dass ich mich nicht ändern kann, sie verhindern, dass ich das erfüllte Leben haben, was ich in mir schon spüre. 

So hat mein Ego weiter ein Feindbild, was seine Existenz rechtfertigt. Nach außen gesehen gibt es keine Feindbilder mehr. Durch meine Erkenntnisse und Perspektiven auf das Leben, kann ich in anderen Menschen eigentlich nichts verachtenswertes mehr erkennen. Ich meine, sie auf tiefster Ebene zu verstehen und selbst verachtenswertes-handeln findet in meinem Blick auf ganz tiefer Ebene seine psychologischen Ursache und damit „Legitimation“, auch wenn das manchen jetzt verwerflich vorkommt. Damit meine ich nicht, dass vermeintlich Böses und menschenverachtendes geduldet und gutgeheißen werden sollte. Ich denke dennoch, dass jede noch so schlimme Tat aus psychologischer Sicht eine Erklärung bietet.

photo-1443916765281-9937110585dbDas Ego, was sonst also stark damit beschäftigt ist, sich von anderen abzugrenzen und innere Feinbilder zu erschaffen und aufzubauen, kann dies ab einem bestimmten Punkt nur noch gegen innere Teile tun. So gab es gefühlt in mir in den letzten Wochen verstärkt ein „innern Krieg“ zwischen verschiedensten Anteilen und Fraktionen. Ich war gefühlt mittendrin von allem und konnte nichts daran ändern. Das liegt jedoch daran, dass ich diesen „Krieg“ nicht auf Verstandesebene gewinnen kann. Kein analytisches Vorgehen wird mir hier helfen eine Lösung des Problems zu finden.

Die Möglichkeit Inneren Friedens 

Was mir gefehlt hat, war ein abtauchen in den Körper, in die eigene Gefühlswelt. Wie gesagt war und bin ich ein sehr verkopfter Mensch, der erst in den letzten zwei-drei Jahren wieder einen guten Zugang zum „Emotionalen-Körper“ gewonnen hat. Die Emotionale Arbeit war enorm hilfreich und wichtig für mich um verlorene geglaubte Teile von mir wieder zu finden und in Besitz zu nehmen, wieder ganz zu werden. Dennoch kämpft der Verstand, das Ego, gegen diese Verbindung an, will mich durch Analysen und Rationalisierung davon abhalten, mich zu spüren und zu fühlen.

In der Gefühlswelt gibt es kein falsch, keinen Feind. Der Emotionale-Körper ist ein wandelbares Energiefeld verschiedenster Emotionen und Gefühlsregungen die an sich wertfrei sind, weder gut noch schlecht. Erst der Verstand bewertet gewisse Emotionale Regungen, lehnt gewisse Gefühlszustände ab und wehrt sich gegen das erleben bestimmter Gefühle.

Genau deshalb ist ein tiefgreifende Veränderung auch so schwierig. Sie muss ganzheitlich geschehen, also erst auf Verstandsebene im Kopf und dann vor allem auf Gefühlsebene im Herzen. Nur wenn ich annehmen kann was ich fühle, Verständnis für die stetig wechselnden Gefühlsregungen in mir habe und mir respektvoll und zuwendend begegnen kann, kann eine langfristige Veränderung eintreten. 

Denn was Disziplin und vor allem innere Überzeugungen und Vorstellungen darüber angeht, wie mein Leben zu sein hat, sind stark durch die Autoritätsperson in meinem Leben geprägt. Eltern, Lehrer, Großeltern usw.

All ihre Vorstellungen vom Leben und ihre Art und Weise auf das Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu reagieren, hat mich schon früh geprägt und ihre Sicht- und Handlungsweisen sind immer noch Teil meines Wesen. 

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Doch der Kampf tobt noch in mir. Das sträuben gegen die Veränderung, die gefühlte Sabotage meiner wohl gemeinten Vorhaben. Doch das ist Ok. Ich kann nicht erwarten sofort alle „Blockaden“ zu beseitigen und mein vollstes Potenzial ohne Probleme zu erreichen. Es ist ein Prozess, eine perfekt orchestrierte Transformation. Es geht hin und her, hoch und runter, bis nur noch die Essenz meines Wesens hell strahlt. Ich akzeptiere, dass ich nicht sofort alles haben kann, was ich mir vornehme, dass ich mit Geduld und Fürsorge mit mir umgehen und nach vorne gehen will. Alles entfaltet sich im göttlicher Perfektion, auch wenn das im Moment meist nicht so scheint, weil der Verstand das nicht wahrhaben will.

Ich gehe weiter, gebe mein bestes dieses Verständniss für alle Facetten meiner Erfahrung aufzubringen, gut zu mir zu sein, auch wenn ich denke, dass gewisse Teile in mir nicht sein dürfen, anderes sein sollen. Letztendlich wird alles transformiert und weggenommen was das strahlende Licht meines Wesens zurückhält.

Transformiert nicht weil ich es durch meine Analyse komplett verstanden habe, nicht weil ich Teile in mir lange genug abgelehnt und bekämpft habe, nicht weil ich lange genug meine Gefühlsleben unterdrückt habe und mich von den Emotionen in mir betäubt habe. Sondern weil ich Verständiss für mich aufgebracht habe, in allen Phasen meines Lebens, weil ich jeden Aspekt meines Wesens mit Respekt und Annahme begegnet bin und weil ich mir all das geben konnte, wonach ich mich schon immer gesehnt habe; nach der ewigen Liebe die ich bin. 

Mit diesen Worten wünsche ich euch ein wunderbares Jahresende und ein umso erfüllenderes 2016. Seid gut zu euch, versucht euch so zu sehen wie eure Herzensverbunden euch sehen. Seid stolz auf euch, ihr habt viel durchlebt, viel verstanden, viel integriert. Wir entwickeln uns alle immer schneller weiter, wir werden nichts verpassen, wir brauchen nur Geduld und Verständnis. Versucht weiter hin die Liebe und Zuwendung für euch und euer Innenleben zu kultivieren und auf eure inneren Grenzen und Bedürfnisse zu achten. 2016 wird es noch intensiver weitergehen und wir haben die Chance gemeinsam zu wachsen und zu dem zu werden was wir schon immer waren.

Ich liebe euch und wünsche euch nur das beste,

euer Tim

 

 

3 Kommentare zu “Das Leben mit unveränderbaren Tatsachen

    • Das freut mich zu hören. Infinite Waters habe ich vor ein paar Jahren verfolgt und auch neulich mal wieder zurück zu ihm gefunden. Find ich toll was Ralph so macht.

  1. Hallo, ich schreibe weil bis jetzt keine geantwortet hat.
    Du machst eine schöne Arbeit, die Seite gefällt mir sehr. Aber Du hast sooo viel Lärm im Kopf.
    Du schreibst über Dein Ego, über Gefühle, Du hast viele Hoffnungen und Erwartungen, zum Bespiel, andere Menschen zu Helfen.
    Aber Du bist hier und alle diese Dinge, über die Du schreibst, sind da. Du trennst sie von Dir.
    Du schreibst, dass Du Deine Gefühle zulassen möchtest. Wenn Du ein Gefühl zulässt, gibt es Dich und das Gefühl. So schaffst Du keine Einheit.
    Die Einheit schaffst Du, wenn Du Dich los lässt.
    Du hast kein Ego, Du bist das Ego. Du bist Deine Gefühle, Deine Hoffnung, Deine Erwartung. Du bist Deine Sucht, Du bist Deine Abstinenz. Du bist der Wunsch, andere zu Helfen. Du bist alle Bewegungen des Lebens, und das ist das Leben selbst. Das ich gibt es nicht mehr.
    Wenn Du auf diesem Weg weiter machst, kann sein dass es diese Seite bald nicht mehr gibt. Wenn ich es richtig verstehe, es ist erwünscht, dass es irgendwann sogar kein Tim mehr gibt. Wenn die Stille eintrifft, erübrigt sich das schreiben, es bleibt nur eins: SEIN
    In diesem Sinne wünsche ich Dir für 2016 alles was Du Dir selber wünscht, und hoffe dass Du weiterhin Deine Erfahrung mit uns teilst.
    Alles Liebe
    Chris

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