Hin und her – Die Leiden des angehenden Künstlers

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Traum und Wirklichkeit

Mein größtes Problem ist es, nicht an meinem perfektionistischem Anspruch zu scheitern. Ich weiß wie mein Leben in ein bis zwei Jahren aussehen kann. Erfüllt und motiviert von dieser Vision mache ich mich dann an die Arbeit und merke bald, dass es nicht so einfach läuft, wie ich das erhofft hatte.

Zum Beispiel war mein Ziel, ein Video pro Woche hochzuladen. Das klappte anfangs auch gut, doch in Woche drei schlichen sich dann Selbstzweifel und Ängste wieder mit dazu und bevor ich mich versah, war ich wieder von meinem geplantem Kurs abgekommen. Das zu spüren und zu zulassen fällt dann oft schwer, weil unser Ego dann alles dafür tut, die vermeintliche Niederlage nicht anzuerkennen. Denn darunter begraben liegen Gefühle der Scham, Angst und Wertlosigkeit. Kreativ zu sein heißt sich zu öffnen, was für uns alle bedrohlich wirken kann.

Das ganze kann sich dann schnell in eine abwärts Spirale entwickeln, wenn wir nicht bewusst bleiben und in uns spüren, was wirklich in uns vorgeht. Bei mir kam dann bald schon Gefühle der Verzweiflung hoch. Nicht sein zu können, wer man im Herzen wirklich ist, nicht den Weg durchs Leben gehen zu können, den man ganz klar vor sich sieht. Das macht es noch schwieriger, kreativ zu sein und den Willen aufzubringen, nach vorne zu gehen.

Die Antwort auf das Problem

Ich befinde mich jetzt schon seit gut über einem Jahr auf dem Weg des Künstlers. Heute habe ich alte Notizen aus dieser Zeit gefunden, die sich ziemlich viel mit diesem Kampf auseinander setzten, den Mut zu entwickeln seiner Vision zu folgen. Seit dem habe ich schon viel gelernt und konnte an vielem arbeiten.

Das Buch „The War of Art“ von Steven Pressfield hat mir dann Anfang des Jahres endlich in einfachen Worten dieses Dilemma klar machen können und mir gleichzeitig eine Antwort darauf gegeben, wie wir diesen Kreislauf durchbrechen können.

Ich bin davon überzeugt dass wir alle begabte Künstler sind. Ob wir einen Drang zum schreiben, malen, programmieren, gestalten, organisieren, fotografieren, lehren oder schauspielern haben. Wenn wir diesem Ruf folgen wollen um unsere Gaben mit der Welt zu teilen, müssen wir das ganze mit der Ernsthaftigkeit eines Profis tun. Profis, sei es im Sport, der Geschäftswelt oder im kreativen Bereich haben eins gemeinsam. Sie stehen jeden Tag auf und machen ihre Arbeit. Egal wie sie sich fühlen, egal was für schwierige Bedingungen herrschen. Teil des Profi-Seins bedeutet, sich tagtäglich mit seinem inneren Wiederstand auseinander zu setzten und über ihn hinaus zu gehen.

Diese Botschaft, so simpel sie doch ist, hat mir die Augen geöffnet. Ich wusste jetzt wie ich das ganze angehen muss, nämlich mit der Ernsthaftigkeit des Profis. So inspiriert ich auch war, das ganze umzusetzen, ist gerade meine Herausforderung. Seit dem habe ich schon viel an meinem Leben geändert und neue Routinen in meinen Alltag eingebaut, um das Professionelle Arbeiten zu ermöglichen.

Ein Teil dieses Prozesses war es auch, meine Selbstsabotage zu erkennen, die Teil des Wiederstandes ist (unsere Ängste und Zweifel). Zu lange aufbleiben und dann zu lange zu schlafen, war für mich ein Muster, dass ich schon seit ich denken kann, benutze. Dadurch verstecke ich mich vor dem Leben und dem was mich erwarten könnte. Die Folge ist das Leben in der Schattenwelt. Nicht wirklich dem Leben, mit all seinen Seiten, hingegeben, sondern halb wach, nicht wirklich da.

Diese Woche konnte ich schon viele gute Schritte gehen, die mich in meinem Weg stärken, anstatt mich vom Kurs abzubringen. Ein Resultat davon ist dieser Blogeintrag. Ich weiß dass viele diese Verzweiflung kennen, nicht sein vollstes Potenzial leben zu können, immer das Gefühl zu haben, dass man nicht erreichen kann, wonach man sich so sehr sehnt.

Warum wir uns Selbst sabotieren

Wie eingangs erwähnt ist ein großer Teil des kreativen Weges, sich zu öffnen. Sein innerstes auf kreative Weise in etwas zu kanalisieren und der Welt zu geben. Ich sehe genau hier eins der größten Unterscheide zwischen „Amateuren“ und „Profis“. Der Profi schafft seine Werke für niemanden anders. Er tut es nicht um Anerkennung und Lobpreisungen zu erfahren. Der Prozess und die Zufriedenheit, die mit dem Abschluss eines Projektes einhergehen, sind genug.

Der Amateur fürchtet sich genau davor. Was passiert, wenn andere das Werk kritisieren, runter machen, als Müll abtun? Wir öffnen uns doch und lassen unsere Seele in unser Werk fließen. Das ganze jetzt von aller Welt beurteilen zu lassen, kann ein sehr schwieriger Vorgang sein. Es fühlt sich so an, als würde das eigene Wesen damit abgelehnt werden. Das ist die Scham in uns. Das Gefühl dass uns sagt, so wie wir sind, sind wir nicht gut genug.

Der Amateur hat also mit Selbstwertproblemen zu kämpfen. „Was ich mache ist eh nicht gut genug. Wer brauch das schon, wenn es soviel besseres gibt als mich?“ Die Angst verletzt zu werden ist berechtigt, da wir früher erlebt haben, wie wir als Kinder in unserem wahren Sein gelebt haben mit strahlendem, offenem Herzen. Doch wir alle haben dann erlebt, manche mehr, manche weniger, dass wir verletzt, angeschrien, beleidigt, beschämt wurden. Dadurch hat sich nach und nach unser Herz geschlossen. Ein reiner Schutzmechanismus um nicht noch mehr verletzt zu werden.

Wenn wir uns jetzt wieder ans kreative Arbeiten machen, kommen genau diese alten Sorgen, in Form von Selbstsabotage und Wiederstand wieder hoch und wollen uns davor bewahren, weiter verletzt zu werden. Wir fühlen uns innerlich in unserem Überleben bedroht.

Die Quelle unserer Kreativität

Wer mir schon länger folgt weiß, dass ich es als essenziell für jeden Menschen sehe, sich wieder mit seinem inneren Kind zu verbinden. Unser inneres Kind ist nicht mit dem achtzehnten Geburtstag ein Teil der Vergangenheit geworden. Es ist unser Herz, unsere Unschuld, unser göttlicher Teil. Gleichzeitig sind alle Verletzungen und Schmerz Teil unseres Kindes, was früher mit diesen Gefühlen alleine gelassen wurde.

Unsere Kreativität, unsere Fähigkeit zu staunen und das Leben als Wunder zu betrachten sind aber ebenfalls Teil unseres inneren Kindes. Wollen wir also wieder in Kontakt mit unserem wahren Sein kommen, ist die Beziehung mit unserem inneren Kind, das aller wichtigste. Dadurch lösen sich nicht nur die Filter auf, durch die wir uns und das Leben negativ betrachten, sondern wir erwecken wieder unsere eigene Quelle wahrer Freude.

Ich sehe es jetzt auch in meinem Leben. Die Beziehung mit meinem inneren Kind ist schon sehr fest geworden. Ich lasse mich nicht mehr so oft im Stich, mit meinen negativen Gefühlen alleine und trete für meine Grenzen und Bedürfnisse ein. Ich sorge für mein inneres Kind, nehme es in den Arm wenn es traurig ist und sage ihm wie sehr ich es liebe.

Wollen wir kreativ arbeiten, oder überhaupt zufrieden mit uns sein, ist dieser Weg meiner Meinung nach, unerlässlich. Es ist das Kind in uns was gleichzeitig Angst hat verletzt zu werden und deshalb lieber alles andere tut, als die vor uns liegende Arbeit zu erledigen. Doch es ist auch das Kind in uns was sich ausdrücken will, was einfach drauf losmachen kann, ohne Sorgen wie es aussieht.

So ist es wichtig, sein innen Leben mit all seinen Gefühlen ohne Wertung zu spüren und es als Teil unseres Wesens anzuerkennen. Wir haben unsere Kindheit überlebt und sind gestärkt daraus hervor gegangen. Deswegen ist es jetzt auch wichtig, den Erwachsenen Teil in uns zu stärken. Derjenige der für das Kind da ist, es unterstütz und fördert und gleichzeitig den Willen und die Struktur an den Tag legt, die das gezielte Arbeiten und schaffen überhaupt möglich macht.

Der Weg ist steinig und schwer

Niemand hat gesagt das es leicht wird. Doch für mich gibt es kein zurück. Ich weiß, dass es meine Bestimmung ist, diesen Weg zu gehen. Dabei finde ich den Weg zu mir selbst und der kompletten Selbstannahme. Das ganze wird mich noch länger beschäftigen doch mit jedem Tag schaffe und verstehe ich mehr. Ich werde diese Transformation mit euch allen teilen und weiß, dass es keine Wunschvorstellung ist.

Ich möchte das ihr wisst, dass ich viel mit Unendlich Sein vorhabe und erreichen möchte, doch das ganze geht nicht immer in dem Tempo, das ich mir vorgestellt habe. Bleibt dran, diese Jahr wird eine Menge passieren und sich verändern.

Ich liebe euch alle,

euer Tim

7 Kommentare zu “Hin und her – Die Leiden des angehenden Künstlers

  1. Hallo Tim,

    ich gehe auch spät ins Bett und schlafe recht lange (das hat sich aber durch die Kinder etwas geändert) und bin selbst Künstler.
    Ich würde es aber nicht damit bennen, dass ich vor dem Leben flüchten will, sondern im Gegenteil, der Tag ist so schön und man will doch noch viel mehr rausholen und geht desswegen spät ins Bett. Dies ist viel positiver als deine Ansicht darüber.
    Fakt ist, durch die Tat kommt die Zufriedenheit. Daran kau ich auch, aber so ist das nunmal. Auch das gilt es zu akzeptieren. Nur aus der Freude heraus kann man es dann schaffen. Bin ich traurig darüber, dass ich es nicht schafffe, wie will ich es aus dieser Traurigkeit heraus schaffen? 😉
    Schaffe Prioritäten, und schau dir genau an womit du Zeit verlierst. Bei mir zB Gitarre spielen oder Youtube schauen oder (ja, so ist es) Bücher lesen und Berichte. Das alles ist ja Gut, aber hält es uns vom Lebensziel ab, ist es nur eine Ablenkung und sollte als diese Erkannt werden.

    Übrigens..
    was soll das mit soundsoviel Videos pro xxx.. ? Schmeiss das doch einfach den Bach runter. Siehe was du bereits gemacht hast. Es genügt doch bereits. Du hast doch ein Ziel erreicht. Du sagst und schreist schon ziemlich alles.
    Mache aus Qualität nicht Quantität. Und glücklich macht es dich auch nicht. Du versaust dir ja damit deine Freude… erkenne diese Stimme und blockiere diese mit einem Lächeln.
    Grüße,
    Micha

  2. hallo tim,es ist gut sich mit „seinem“ ego „auseinander“ zu setzen.schön das du den weg gehst.in vielen „dingen“ scheint mir jedoch verwirrung zu herschen.ich möchte dich daran erinnern das dass denken, sowie auch gefühle, nur der ausdruck dessen sind wie sich das „leben“ in uns ausprobiert. das kann den, oder das, was du (wir) wirklich bist,(sind) nicht verändern oder berühren! ob wir uns da nicht etwas zu ernst nehmen? 😉

  3. Hallo Tim,
    tja, auch ich bin über youtube, Gesetz der Anziehung, Bewusstsein, Tolle usw. an dich gekommen.
    Ich habe erst einige Artikel gelesen, aber bisher konnte ich mich irgendwie in jedem einzelnen selbst erkennen. Tausend Dank – bitte mach immer weiter.
    Deine persönliche Geschichte, Hin und Her, Schwere Entscheidung – warum ich meine Reise pausieren werde – ich hatte das Gefühl, Du beschreibst mich.
    Ich hätte Dir so viel zu erzählen …
    Heute habe ich Dein Video über Eckhard Tolle gesehen. Auf der einen Seite stimme ich Dir zu. Es ist so wichtig, sich um sein inneres Kind zu kümmern. Vor allem nach Deinen Erlebnissen, die du in Hin und Her beschreibst und ich das gut nach vollziehen kann, weil ich das auch mit gemacht habe. 40 Jahre hatte ich keine Ahnung, was mir passiert ist. Irgendwie kam es dann wie aus dem nichts ans Licht, viele Gespräche und Therapien waren die Folge und als ich dachte, jetzt habe ich mich genug damit auseinander gesetzt, bekam ich plötzlich einen Knoten in der Brust. Da habe ich dann zum Glück mein inneres Kind entdeckt und Eckhards Tolles Bücher legte ich erstmal zur Seite.
    aber vor einiger Zeit habe ich den Entschluss gefaßt, daß mein inneres Kind und ich nur noch nach vorne schauen – Hand in Hand, weil irgendwie merkte ich, da muss ein Strich drunter, sonst kann ich nie neu anfangen und nie frei sein. seit diesem Moment an, nahm mein Leben eine Wende und Eckhard Tolle begleitet mich wieder aufs neue. Ich finde die Vergangenheit teilweise auch wichtig, wie du, aber wenn man daraus gelernt hat, muss es auch gut sein. Und ich weiß, daß ich gelernt habe, mein Knoten ist weg …

    Ah, dann habe ich auch dein Video über das Gesetz der Anziehung usw. gesehen – SUPER ich war begeistert –
    Gerne würde ich dem etwas hinzufügen. Etwas was mir immer bei diesem Thema fehlt, egal welches Buch ich lese. Und das ist die Ernährung! Ich hatte einen so unruhigen Verstand, es fiel mir so unglaublich schwer, mich zu konzentrieren – trotz Yoga, trotz Meditation, trotz Bewußtsein
    Erst die Ernährungsumstellung auf Rohkost und vor allem auf frische Säfte schaffte es, dass mein Verstand ruhiger wurde. (Bücher von Dr. Norman Walker und Wandmaker kann ich sehr empfehlen).
    Und dann ist die „Gedanken-Hygiene“ so wichtig. Ich hatte mir dafür Uhrzeiten festgelegt, so fiel es mir leichter, mich immer wieder daran zu erinnern, meine Gedankenmuster zu kontrollieren, bis es dann in Fleich und Blut über geht.
    hm, ich glaube, ich habe übertrieben. Normalerweise würde ich alles, was ich geschrieben habe, wieder löschen. Ob meine Meinung überhaupt jemanden interessiert? Ist das Quatsch, was ich da geschrieben habe? Aber nein, ich drücke ganz schnell auf abschicken. danke fürs lesen, falls jemand bis hierher gekommen ist, jajaj. Ich drücke alle ganz fest – DAS LEBEN IST SUPER

  4. Ich habe dich zuerst auf Youtube entdeckt, dann in den letzten Tagen alle deine Blogeinträge gelesen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schön und wichtig ich es finde, was du hier machst! Du hilfst mir so sehr, das zu verstehen, wo ich gerade bin, und die Hoffnung zu behalten. Außerdem hast du (+ eine Freundin) mich dazu inspiriert, endlich selbst einen Blog anzufangen und dort offen und ehrlich zu sein, was ich mich niemals getraut habe.
    Ich hätte 2 Fragen an dich: Darf ich dich in einigen Blogeinträgen zitieren? Und: Kennen auch deine Eltern/Freunde/Bekannte deinen Blog & deinen Youtubekanal?
    Liebe Grüße :)

    • Das freut mich wirklich sehr! Natürlich darfst du mich zitieren und ja, meine Eltern und Freunde wissen davon, auch wenn ich es anfangs eher verdeckt gehalten habe. Wenn du magst, schick mir ruhig mal den Link deines Blogs.
      Ich wünsch dir das beste,
      Herzliche Grüße

      Tim

      • Danke für deine Nachricht, hat mich echt gefreut :-)
        Hier der Link meines Blogs: http://www.lydiaghostt.wordpress.com
        Kennst du vielleicht auch noch andere Blogs, die über ähnliche Themen schreiben? Ich würde so gern mehr Gleichgesinnte finden und mich mit ihnen austauschen (und mit dir natürlich!), so eine Gemeinschaft wäre toll!

        Viele liebe Grüße und ich wünsche dir alles alles Gute und unendlich viel Kraft!!!

  5. Lieber Tim,

    herzlichen Dank, dass du diese Zeilen geteilt hast. Die Hürden, die du beschreibst kenne ich nur zu gut. Auch mir geht es öfters so. Dein Text macht Mut und hilft, das Licht am Ende des Tunnels zu erkennen und den Weg dorthin zu finden. Ich wünsche dir gute Gedanken, Kraft und Freude beim weitergehen.

    Liebe Grüße
    Estelle

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