Schwere Entscheidungen – Warum ich meine Reise pausieren werde

alone-62253_1280Was ist hier los werdet ihr euch fragen. Reise pausieren? Was ist passiert? Darauf eine Antwort zu geben faellt mir nicht leicht. Tatsaechlich ist diesen Eintrag oeffentlich zu teilen eins der schwierigsten Dinge, die ich je gemacht habe. Ich habe in diesem Blog schon so einige meiner Schattenseiten und Schwierigkeiten geteilt, doch vor keinem dieser Eintraege war ich so nervoes, wie vor diesem. Mein Herz schlaegt ununterbrochen und ich habe wirklich tierische Angst. Doch das innere Verlangen das ganze oeffentlich zu mahchen ist so gross, dass ich jetzt weiss, dass es an der Zeit ist.

Ohne jetzt weiter drum rum zu reden, will ich nun zum meinem Grund kommen, die Reise zu pausieren, auch wenn dass eine gewisse Vorgeschichte braucht. Angefangen hat alles an einem Abend im letzten Sommer. In einem Gespraech mit meiner jetzt Ex-Freundin kam auf einmal eine Erinnerug, ein Gefuehl in mir hoch. Es fuehlte sich so real an, obwohl ich keine Emotionen dazu herstellen konnte. Es war das eindeutige Gefuehl in meiner Kindheit sexuell missbruacht worden zu sein. Umso mehr ich darueber redete umso mehr Details kamen an die Oberflaeche, doch ich musste sogar teilweise ueber diese Erkentniss lachen. Wie konnte das sein? Wie konnte ich sowas vergessen? Auf der einen Seite war die Erkentniss ganz klar greifbar und ich wusste dass das was dran sein muss, doch keinerlei Gefuehle liessen sich dazu zuordnen.

Es hat mich noch eine Zeit lang beschaeftigt, doch schon bald, im Trubel des Alltags geriet das ganze wieder in Vergessenheit, vielleicht wollte ich auch einfach nicht, dass es wahr ist. Nachdem ich ja schon in meinen Videos viel ueber den emotionalen Heilungs und Intgrationsprozess geredet habe, in dem man seine Emotionen beobachtet, wahrnimmt und akzeptiert um dann tiefer in die Ursache dieses Gefuehls eintzutauchen, kam dadurch an einem Tag eine grosse Wand an Gefuehlen hoch. Ich wusste instinktiv, dass diese mit dem Missbrauch zusammen haengen. Es war ein wahnsinng intensives Gefuehl von Hilflosigkeit und dem Gefuehl Verlassen und alleine auf der Welt zu sein.Ich konnte die Verzweiflung und die Traenen rauslassen und mein inneres, verletztes Kind halten und fuer es da sein. Doch auch diese Erlebniss hat mich nicht dazu gebracht, das ganze Ernst zu nehmen. Es fuehlte sich so unecht und schleierhaft an.

Dann kommen wir mal zu meiner Reise. Wie ich in meinem ersten Eintrag zur Reise schon geschrieben habe, ist mein Hauptziel fuer gewesen, mich selbst zu finden. Zu erkennen, wo meine inneren Blockaden sind und negativen Denkweisen mich von meinem wahren, authentischen Selbst zurueck halten und mein Potenzial beschraenken.

Die ersten zwei Wochen waren auch bis auf meine Startschwierigkeiten super problemlos und erfuellend, bis ich ins Kloster kam. Darueber habe ich in meinem letzten Video gesprochen, der Eintrag dazu ist noch in Bearbeitung. Doch auch wenn noch nicht alle Details zu meiner weiteren Reise bisher bekannt sind, so ist es mir sehr wichtig, jetzt diese Erkentniss erst mal zu teilen. Im Kloster haben wir viel meditiert, bis zu sechs Stunden am Tag. Fuer viele Leute war das ziemlich heftig. Sie wurden mit ganz vielen Dingen konfrontiert, die sie belasten und die sie lieber vergessen wollten. Einige haben dann nach ein, zwei Tagen das Handuch geschmiessen. Fuer mich lief anfangs alles gut und ich hatte teilweise echt schoene, erfuellende Momente in der MEeditation. Doch am letzten Tag spuerte ich waehrend der Meditation ein grosse Dunkelheit sich in mir ausbreiten. Ich wurde wieder einmal total ueberwaeltigt von einer Riesen Welle an negativen Gefuehlen und ich wusste, ich muss alleine sein, sonst heule ich hier gleich vor allen Leuten los. Ich bin aufgestanden, hab mir ein stilles Plaetzchen gesucht und dann brach die ganze Verzweiflung, Hilflosigkeit und Trauer aus mir raus und ich musste hemmungslos weinen. Ich wusste auch sofort, dass auch diese Dunkelheit mit dem Missbrauch zusammen haengt. Ich konnte das ganze ganz gut zulassen, fuer mich da sein und durch schreiben, malen und reflektieren gut rauslassen. Danach war ich nicht mehr der selbe.

Diese Dunkelheit hat mich nicht mehr ganz losgelassen und auch wenn ich danach noch ein paar wirklich tolle Tage hatte, lies mich das ganze nicht mehr los. Ich hab mir Buecher ueber das Thema runtergeladen. Ich bruachte Erfahrungswerte und hinweise um das ganze besser zu verstehen. Umso mehr ich lass umso mehr erkannte ich mich darin wieder. Es war fast als wuerde in den Beuchern beschrieben wie ich bin. All die negativen Dinge die mein Leben praegen, vom schlechten Selbstwert bis zu schwierigkeiten, Intimitaet zu zulassen. Ich erkannte mich auf einmal aus einer ganzen anderen Sicht. Was mich die meiste Zeit beschaftigt hat, war die Tatsache, dass das ganze solange unterdrueckt war und ich keinerlei Erinnerung daran hatte. Doch auch das wurde in vielen Buechern beschrieben und scheint in Missbruachsfaellen keine Seltenheit zu sein.

Ich brauchte ein paar Tage Ruhe und Zeit fuer mich, um das ganze zu bearbeiten und zu verstehen, da kam meine Zeit auf Koh Pagnan wie gerufen. Ich hatte mein eigenes Bungalow mit Haengematte auf der Veranda ich hatte viel Zeit fuer mich um zu meditieren, zu lesen und zu schreiben, zu malen und fuer mein inneres, verletztes kind dazu sein. Eines Abends kam dann ein zweite Dunkelheit, diesmal noch intensiver und schwaerzer. Es stiegen Erinnerungen an den Missbrauch auf, die expliziter und detaillierter waren als zu vor. Ich versank in der Dunkelheit und konnte nichts mehr um mich rum warhnehmen. Die schlimmsten Gefuehle stiegen damit hoch. Es war, als haette ich ein Tor in mir geoeffnet, aus dem all die aufgestauten Emotionen ausbrechen konnten. Ich hab mich in meinem Leben noch nie so einsam gefuehlt. Die Sinnlosigkeit und Finsterniss des Lebens erfuellten mich und ich war stark am verzweifeln. Zum Gleueck war mein Vater bei Sype online und wir konnten darueber reden und er war fuer mich da und konnte mich langsam wieder zurueck bringen und mich beruhigen. Nach einer gehoerigen Portion Schlaf ging es mir am naechsten Tag schon wieder um einiges besser. Doch jetzt konnte ich es nicht mehr Verleugnen. Der Missbrauch ist passiert und hat mein ganzes Leben unterbewusst gepraegt.

Jetzt stand ich vor einer wirklich schweren Entscheidung. Die Reise pausieren oder weiter machen? Nach viel Kontemplation kam ich zu der Entscheidung, die die liebevollste fuer mich ist. Die Unbeschwertheit, Offenheit und der Abenteurdrang sind erstmal verschwunden. Ich fuehle die tiefe Wunde in mir und ich fuehle mich damit verletzlich. Umso mehr ich das akzeptieren konnte, umso richtiger fuehltes es sich an und auch jetzt weiss ich, es ist die richtige und fuer mich beste Entscheidung, auch, wenn es schwer ist. Was denken meine Freunde wenn sie hoehren, dass ich frueher zurueck gekommen bin und aus welchem Grund? Koennen sie mir glauben und das ganze Ernst nehmen? Ein Teil von mir fuehlte sich als Versager. Ich bin zu schwach, das ganze durch zu ziehen und stark zu sein, doch ich sehe dass es das nicht ist. Es braucht mehr Mut und Staerke zu seinen Schwaechen zu stehen und seinem Herzen zu folgen, egal was die Konsequenz ist.  Ich weiss, dass ich die Reise nicht mehr so geniessen und wertschaetzen koennte.

Und trotz allem, war die Reise genau was ich brauchte und wonach ich gesucht habe. Ich habe die innere Blockade in mir gefunden, den Grund, der mich von meinem wahren Potenzial abhaelt. Und egal wie schmerzhaft diese Erkentniss ist, ich bin unendlich dankbar diese Erkentniss jetzt zu haben. Ich bin erleichter und froh jetzt etwas handfestes zu haben an dem ich arbeiten kann und das ich mit professioneller Unterstuetzung heilen kann.

Das Leben ist nicht immer vorhersehbar und es passieren Dinge, die einen scheinbar von seinem Kurs abringen. Erst spaeter kann man reflektieren und erkennen, dass alles genau so passieren musste und genau das fuehle ich jetzt auch. Ich bin froh jetzt nach Hause zu kommen. Ich habe mich gut gefangen und bin stabil, was das auch immer heissen mag. Ich habe viel vor und bin voller Tatendrang fuer die Zukunft. Ein weitere Abschnitt in meiner Transformation beginnt, ein Schritt Richtung Integration allen Unbewussten und verdraengtem um ganz zu werden. Und meine Reise wird weiter gehen, wenn die Zeit reif ist.

Es hat mich grosse Ueberwindung gekostet, dass alles zu teilen, die tiefsten meiner Aengste und Probleme oeffentlich zu machen, doch ich weiss, dass das mein Weg ist und es fuehlt sich befreiend an, alles rauszulassen. Ich weiss nicht was mich erwartet wenn ich zurueck komme und ein wenig fuerchte ich mich vor dem was mir jetzt bevor steht, doch ich weiss, es wird alles gut, egal was jetzt passiert. Ich bin fuer mich da und trete fuer mich und meine Beduerfnisse ein und dass ist das wichtigste ueberhaupt.

Ich liebe euch alle von ganzem Herzen und freue mich auf die Zukunft,

euer Tim

5 Kommentare zu “Schwere Entscheidungen – Warum ich meine Reise pausieren werde

  1. Ich bin stolz auf Dich. Wow. Es ist schön zu sehen, dass Du genau das erlebt(!) und geteilt(!) hast, was ich (und ich denke viele hier) schon so oft gelesen & gehört haben – dass man genau in solchen Momenten wieder aufstehen muss und aufgrund Deiner gewissen Vorbildung zu dem ganzen Thema konntest Du damit gut umgehen und es direkt angehen.
    Bittesehr. Da hattest Du das, was Du haben wolltest.
    Jetzt zeige Dir selbst, wie & dass Du es schaffst – bzw. wie Du damit umgehst.
    Geschafft? Nicht geschafft? … ist das nicht egal? :)
    Morgen früh les‘ ich Deine Geschichte mal weiter, ich bin gespannt!

    Ach, was ich EIGENTLICH schreiben wollte…. fast hätte ich es vergessen! 😀
    Immer wollte ich auch diese Prozesse erleben UND verarbeiten können…
    UND SIE (kostenlos!!) mit anderen Menschen teilen!
    DU TUST ES! DANKE! 😉
    In meinem Leben finde ich derzeit immer seltener Halt und merke, dass ich natürlich genau AUFGRUND(?) dieser ganzen Erkenntnisse mit alten Schemen keinen Erolg/Halt/Sicherheit finden werde und finde mich deshalb mal wieder auf genau einer solchen Seite, wo Menschen geholfen wird.

    Danke Leben.
    Alles Liebe
    Jan

  2. Wow,

    hut ab für deinen Mut!

    Mir ist vor kurzem aufgefallen, dass immer, wenn ich mich richtig glücklich und stabil fühle, verdrängte Erfahrungen aus der Kindheit zurückkommen und mich völlig aufwühlen. Ich glaube, das ist deshalb so, weil das der einzige Moment ist, in dem man in der Lage ist die Dinge, die unser Unterbewusstsein prägen, zu verarbeiten und sich und sein inneres Kind damit selbst zu heilen.

    Seitdem mir das bewusst ist, habe ich das Gefüh, dass wenn alte negative Erfahrungen hochkommen, ich dadrüber stehen kann, das verletzte Kind trösten und das ganze so verarbeiten.

    Ich bin durch Zufall auf deine Seite gekommen. Diese Erkenntnis kam mir erst gestern Abend unter der Dusche und heute bin ich hier. Wieder ein Beweis, dass es das Gesetz der Anziehung gibt.

    ich schau mich weiter um, mach weiter so :)

  3. Hey Tim :)
    mich berührt es sehr was du geschrieben hast. :,)
    Ich habe mir auch deine Videos angeschaut und finde mich in vielen Situationen wieder:)
    Vor ca. 4 Monaten bin ich aus meinem Kopf gefallen ;), und habe gemerkt hey ich bin nicht meine Geschichte (Vergangenheit). :) Ab dem Zeitpunkt hab ich meiner Wahrheit Raum geschenkt und arbeite auch sehr viel an mir, und bekomme viele neue Erkenntnisse über mich und das Leben :)
    Tim du machst die Sache sehr gut, du folgst deinem Herzen und dieser Weg ist der Weg der Wahrheit und der Zufriedenheit ——> Fülle :)
    Was auch schön ist zu sehen, man sieht immer mehr und mehr das Leuchten in dir ….. die innere Schönheit kommt immer mehr nach oben wie ein Zauber :)
    Wundervoll….. :)
    ich send dir liebe Grüße
    Alles Liebe
    Valerie

  4. Hallo lieber Tim,
    boh, bist du gut und ein Stück mehr im Klaren. Toll, ich bin total begeistert.
    Uns verbindet ziemlich viel. Angefangen mit der Suche und dann daraus entstehene Sucht zu sich Selbst. Und jetzt noch die Erkenntnis mit dem Mißbrauch. Bei mir lag dieses alles auch im verborgenen, bis mich eine innere Stimme zu einer schamanischen Frau geschickt hat, die mein Verdacht des Mißbrauchts bestätigt hat und ich war befreit von der Ungewissheit. Das tat schon mal gut. Sie sagte ich brauche nicht direkt mehr in das Gefühl rein gehen es gnügt wenn sie das jetzt und hier auflöst. Ich fühle mich dennoch ähnlich wie du, so wie mit angezogener Handbremse fahren. Irgendwas bremst mich mein volles, ich, zu zeigen.
    Danke, es ist toll dich gefunden zu haben.

  5. Lieber Tim,

    über deine youtube-Videos stieß ich auf deine Homepage. Deine Offenheit und deine glaubwürdige, bodenständige Art, spirituelle Zusammenhänge zu vermitteln hatten mich auf deine Website neugierig gemacht. Und was lese ich da?? Wir waren zur selben Zeit in Thailand und zwar an den selben Orten (Chiang Mai, Ko Phangan…). Und traurigerweise habe auch ich eine Missbrauchsgeschichte, die sich derzeit bemerkbar macht. (Ich wusste allerdings davon.) Ich glaube an Fügung, deshalb interpretiere ich diese Ansammlung an Resonanzen einfach mal so, dass wir uns was zu sagen haben. Ich hoffe außerdem, es geht dir gut soweit. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie sich deine Erkenntnis angefühlt haben muss. Wenn du dich austauschen willst, schreib mir einfach. (Um meine Identität zu schützen habe ich eine anonyme Wegwerf-Mailadresse angegeben. Sollte damit etwas schief gehen und ich antworte dir nicht, poste bitte einfach deine Mailadresse mit einem entsprechenden Hinweis auf deiner Seite. Ich melde mich dann privat bei dir.)

    Alles Liebe,

    T.

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